20. Warum bin ich zurzeit so still?


Bevor ihr diesen Beitrag lest, möchte ich euch sagen, dass ich hiermit mein Herz ausschütte.
Es ist kein „Jammer Post“, sondern eine Erklärung. Ich werde auch nicht alles preisgeben, da vieles davon nichts in der Öffentlichkeit zu suchen hat. Aber: Es wird Inhaltswarnungen geben. Lest sie bitte durch, denn ich möchte keinen von euch bei irgendetwas triggern.

Inhaltswarnungen:

  • Depression
  • Erwähnung von Selbstmordgedanken bei Familienmitgliedern
  • Psyschiche Behandlung
  • Geldsorgen
  • Angstzustände
  • Klimakatastrophe
  • Zukunft
  • Physische Schmerzen
  • Panikattacken

Wer meinen High-Fantasy-Roman „Erbe des Dolches 01 – Fey“ gelesen oder sich zumindest damit auseinandergesetzt hat, wird manche der obenstehenden Triggerwarnungen wohl bereits bei mir gefunden haben. Das Buch ist, und das ist kein Geheimnis, eine Verarbeitung meiner eigenen Depression und meiner eigenen Erlebnisse. Ja, nicht alles stimmt überein, denn auch bei Fey habe ich mir künstlerische Freiheiten herausgenommen.
Aber in jeder Zeile steckt wohl meine eigene Angst. Und dennoch auch Stolz. Stolz, dass ich dieses Buch geschrieben habe. Stolz darauf, dass Leser es mögen, und auch Stolz darauf, dass ich offen mit meinen Krankheiten (ja, mehrere) umgehe. Wie viel Hass und Wut habe ich deswegen schon erfahren? Wie viele meiner Mobber meinten, ich tyrannisiere, ich beherrsche, ich schwänze, ich lüge. Und ich weiß genau, wenn sie mein Buch, meine Website, diesen Beitrag finden, dann werden sie erneut auf mich einhacken. Sie werden sich darüber amüsieren, dass ich noch immer eine Lügnerin und eine Heulsuse bin. Ich war beim letzten Klassentreffen noch immer das beliebteste Gespräch, obwohl nicht einmal selbst anwesend. Einsicht? Nein. Meine Existenz ignorieren? Nein. Das können solche Leute nicht. Sie können nicht den Fehler eingestehen, dass sie mein Leben beschwert haben. Was ist mein Leben?

In meinem Leben ist sehr viel auseinandergebrochen. Meine Eltern sind liebevolle Menschen, die immer alles, was sie konnten, gegeben haben, um mich glücklich zu machen. Auch heute weiß ich, egal was passiert, ich kann sie anrufen und sie sind sofort für mich zur Stelle.
Aber dennoch gab es viel, das in meinem Leben zerrissen ist, und wenn ich anderen auch nur ansatzweise erkläre, was das war, dann bekomme ich oft wieder einen von beiden Stempeln: Lügnerin! oder „Wow, dass sowas möglich ist! Die Eltern hätten sich mehr Mühe geben müssen!“. Mehr Mühe? Sie hatten beide nichts. Von Nichts haben sie mir noch eine ganze Menge ermöglicht und gegeben. Rückhalt und Liebe. Verständnis und Respekt, egal wer ich bin. Was ich machen will. Meine Schwester ist Ärztin, aber das hieß für die beiden nie, dass ich diesen oder einen ähnlichen Weg ebenfalls einschlagen muss. Sie haben Geld aufgebracht, damit ich ins Kino gehen oder ein Hobby ausleben konnte. Wie hätten sie sich mehr Mühe geben sollen?
Ja, sie haben Fehler gemacht. Sie sind Menschen und Menschen machen Fehler. Welche das sind, das möchte ich im Internet nicht anprangern und wegen all dem, was ich erlebt habe, bin ich auch in Behandlung. Ich habe Depression. Angststörungen. Panikattacken. Ich bin oft hochsensibel. Ich habe psychosomatische Schmerzen. Auf diese Dinge möchte ich eingehen. Warum? Weil ich offen mit der Person umgehen will, die ich bin. Weil mir das hilft und weil ich oft auch schon andere getroffen habe, die sagten, dass es ihnen half, wenn ich offen rede.

Die Depression nimmt mir sehr oft meine Kraft. Manchmal ist es zu anstrengend, sich auf etwas zu konzentrieren. Weiterzugehen. Wegen der Warnung oben: Nein, ich bin nicht selbstmordgefährdet. Ich denke nicht darüber nach, meinem Leben ein Ende zu bereiten und ich bin, wie immer, gewillt zu kämpfen. Aber oft ist es anstrengend, auch nur fünf Minuten in die Zukunft zu sehen. Ich fühle mich klein. Und hässlich. Die Mobber haben mich meinen Körper hassen lassen und ich finde keinen Weg, ihn zu akzeptieren.

Angststörungen: Wenn mich jemand fragt, wie ich eine Biografie von mir nennen würde, habe ich immer das Wort „Angst“ im Kopf. Ich habe jeden Tag Angst. Angst vor der Zukunft, Angst davor, Fehler zu machen. Angst vor dem nächsten Schritt. Ich habe Angst davor, mit dem Bus zu fahren (früher auch mit dem Zug, aber die Angst habe ich in Euphorie umgewandelt). Die Angst schränkt mich ein, jeden Tag. Wie oft stoße ich auf alltägliche Situationen und fürchte mich? Manchmal, wenn ich allein in der Wohnung bin, habe ich Angst, die Wohnung zu verlassen. Nicht, weil mir draußen etwas passieren könnte. Aber Einkaufen oder nur den Müll runterzubringen, wirkt so anstrengend. Was, wenn ich den Schlüssel verliere? Ich nehme also mein Handy mit. Immer. Auch wenn ich nur den Müll runterbringe. Ich könnte mich ausschließen und dann? Jedes Mal, wenn ich runtergehe, sind da die Gedanken. Manchmal gehe ich bewusst ohne Handy runter. Und dann? Wie kann ich einen Schlüsseldienst anrufen, wenn ich kein Handy habe? Nachbarn? Robertas Vater? Um nur eine der vielen Thematiken anzuschneiden.
Die Angststörungen zeichnen sich auch noch auf anderer Ebene nieder. Ganz groß: Die Zukunft. Klimawandel ist ganz vorne mit dabei. Ich wollte immer Kinder haben. Aber so? Ich möchte nicht dursten, hungern, Kriege sehen. Ich möchte nicht, dass meine wahre Heimat (Ostfriesland) untergeht. Ich will keine Welt sehen, deren Zivilisation zusammenbricht und aus Freunde werden Feinde. Aber: ich mache mir immer Gedanken. Ich sehe eine schöne Frau und will so sein wie sie. Ich freue mich auf die Zukunft. Aber wird es die geben? Wird es diesen Ort im Fernsehen noch geben, wenn du ihn mal besuchen willst?
Ich spiele Red Dead und wir sind in den Schneebergen und ich könnte heulen. Schneeberge. Aber der Klimawandel. Nichts davon ist mehr sicher. Ich versuche, zu vergessen. Damit ich die Stärke entwickeln kann, dagegen zu kämpfen. Ich will nicht auf alles verzichten, aber kaum gehe ich ins Internet, kommen jene, die jetzt schon kämpfen. Eine Hiobsbotschaft nach der anderen. Und wisst ihr, welche mich am meisten fertig machen? Die, die als Scherz verpackt sind. Es ist nicht lustig. Hilfreich übrigens auch nicht. Die, die an den Klimawandel „glauben“, die machen das eh. Jene, die die Augen davor verschließen, die werdet ihr so nicht umstimmen. Was passiert? Viele wie ich verlieren Mut und Kraft. Wir lassen uns treiben und finden keine Stärke, um mitzuhelfen. Einige verlieren den kompletten Lebensmut. Und dann posten diese Leute gerne noch die Hotline bei Selbstmordgedanken. Das klingt sehr harsch. Ich will hier keinen ausbuhen. Wir sind alle Menschen. Aber als Betroffene, die so darauf reagiert und auch andere kennt, möchte ich euch auch diese Seite zeigen.
Die Panikattacken sind dann ein Begleiter dieser Sachen. Sie müssen nicht immer durch Unruhe kommen. Oft werde ich auch nur ganz still und denke nach. Verliere mich in einer Spirale aus Angst und Gedanken. Bis sie sich irgendwann selbst entzünden und ein Feuerwerk hochgeht, bei dem ich mich nicht mehr unter Kontrolle habe. Auf einmal scheint jeder und alles mein Feind zu sein.

Hochsensibel:
Auch auf dieses Thema will ich (KURZ) eingehen. Ich habe grundweg das Gefühl, alles falsch zu machen. Ich will den Mund nicht aufmachen. Schieben wir das alles aber mal zur Seite: Stellt euch vor, ihr schreibt, seit ihr 15 wart, Bücher. Es ist das, was euch am meisten glücklich macht. Ihr seid starke Legasthenikerin, die sich zwar auf Abi-Niveau auf Note 1 hochgearbeitet hat, aber ganz weg wird diese Krankheit nie gehen. Ihr seid unsicher, habt eure Gefühle nicht im Griff, aber ihr wollt dieses Buch veröffentlichen. Bücher veröffentlichen ist euer Traum. Ihr macht das, ihr bekommt sogar positive Rückmeldung.
Und dann? Schreibt euch jemand, der das Buch kostenfrei bekommen hat, eine PN. „Hey, ganz nett, aber ich schreibe schon seit 5 Jahren und schon am Anfang ist mir viel aufgefallen. Ich kann dir helfen.“ Ich persönlich finde das sehr gemein und arrogant noch dazu. KEIN Buch ist perfekt und ob Kritik jetzt beherzigt werden sollte oder nicht mal zur Seite geschoben: Macht das bitte nicht. Ich traue mich nicht mehr, in mein eigenes Buch reinzuschauen. Ich bekomme Tränen in den Augen, wenn ich an Fey denke. OBWOHL das Buch so ist, wie ich es haben will. Obwohl ich weiß, dass es Kritik geben wird und ich bereit bin, anhand solcher zu lernen (Darum geht es halt nicht. Es geht nicht um die Kritik an sich). Deswegen hadere ich so lang mit dem zweiten Band. Ich hasse alles daran. Und nein, ich „kann das nicht einfach neu schreiben“. Leute, solche Sätze sind genauso dreist. Ich bin kein Freund davon, wenn mir jemand sagt, wie ich etwas zu machen habe. Vor allem, wenn es das Offensichtlichste ist. Ich habe mir quasi alles im Leben selbst erarbeitet. Ich bin diejenige, die für die meisten Menschen in meinem Leben mitdenkt. Das meine ich nicht arrogant. Aber es gibt immer den, auf den sich alle verlassen.
Stil ist unterschiedlich. Empfindungen sind unterschiedlich. Niemand hat das recht, mir meinen Roman kaputt zu machen (und das ist hiermit passiert). Schreibt bitte nicht ungefragt solche Sachen. Ich brauche keinen Retter und ich will mich dann mit der Kritik auseinandersetzen, wenn ich mich bereit fühle. Da muss ich vorher immer erst in mich gehen. Ich weiß auch, dass ich da sehr empfindlich bin. Ihr wisst nie, wen ihr auf der anderen Seite der Nachricht habt, bis ihr die Person gut kennt.

Die Schmerzen: Man hört es oft. Menschen mit psychischen Erkrankungen leiden auch körperlich. Oft auch unter Schmerzen. So habe ich es, seit ich 11 Jahre alt war. Seit das Mobbing anfing. Hohe Fehlzeiten waren mit eine Folge. Eine Spirale aus Mobbing, auch von vielen Lehrern. Ich musste mir die Schulsachen selbst beibringen (Nachhilfelehrer waren meistens sehr vorwurfsvoll und wenig verständnisvoll).
Bei mir sind es viele Arten von Schmerzen (ich habe fast nie einen Tag ohne). Aber vor allem sind es die Bauchschmerzen. So heftig, dass ich kaum atmen kann. Ich bin 29 und leide immer noch darunter. Oft wache ich in der Nacht auf und habe Schmerzen. Das bedeutet für mich: Immer Schmerzmittel und eine Wärmflasche greifbar haben. Das Handy sollte abends aufgeladen sein, damit ich mich in der Nacht ablenken kann.
Die Schmerzen heißen aber auch noch mehr für mich. Sie bedeuten, dass ich kein normales Leben führen kann. Sie wurden zwischenzeitlich schon einmal besser. Mit Corona und Klimawandel hat es wieder einen Rückschritt gemacht, aber es war auch schon einmal so schlimm, dass ich das Haus nicht mehr verlassen habe. Ins Kino gehen? Freunde besuchen? Bus fahren? Das sind normale Dinge, aber für mich immer ein Hindernis. Sie kommen mit Panik und Vorwürfen. Mit Tränen und inneren Schreien.
Ich bin zurzeit nicht ausbildungsfähig (ärztliches Urteil von mehreren Instanzen). Es hat lange gedauert, bis ich das akzeptieren konnte, aber so langsam geht es. Erst gesund werden, dann eine Ausbildung beginnen. Umso mehr Arbeit lege ich in das Bambusblatt hinein.
Manchmal sind es auch die ganz normalen Tage, an denen sie plötzlich da sind. Am Wochenende zum Beispiel. Während Roberta das Essen gemacht hat, habe ich die Wäsche aufgehangen. Auf einmal waren sie mal wieder da. Heftig. Plötzlich war wieder der gesamte Abend in der Planung umgeworfen. Etwas Essen und dabei Black Sails rewatchen … Nein. Die Schmerzen haben alles kaputt gemacht. Damit kommt die Scham. Ich bin an allem schuld. Roberta hatte sich gefreut und wegen mir ist wieder alles zerstört.
Ich bringe dafür am wenigsten Verständnis auf. Ich sollte, ich weiß. Aber wer schon einmal in dieser Situation steckte, der weiß, wie schwer das ist. Damit wird es aber immer schlimmer. Ein Kreislauf.

Trotz all dieser Sachen versuche ich, nach vorne zu sehen. Ich kann nicht richtig schlafen (Schlafen ist für mich, als natürlicher, halber luzider Träumer mit vielen Problemen, der Feind). Ich kann nicht zur Ruhe kommen.
Zurzeit ist es aber so, dass ich wieder starke Geldsorgen habe (zum Beispiel geht mein Laptop kaputt und ich habe keine Möglichkeit, einen neuen anzusparen).
Nun lassen sich meine Eltern auch noch scheiden, direkt nachdem mein Vater den Darmkrebs besiegt hat. Er hat uns jetzt offenbart, dass er mit Selbstmordgedanken spielt. Vor einigen Tagen ist er nach einem Ereignis verschwunden. Er rief meine Mutter zwar an, wollte ihr aber nicht sagen, wo er sich aufhielt. Sie rief die Polizei und ich bin tausend Tode gestorben, bis sie ihn ins Krankenhaus gebracht haben.
Ich möchte auch nicht weiter darüber reden jetzt. Aber das sind alles die Gründe, warum ich keine Kraft habe, viel online zu sein. Warum ich kaum mehr antworte, außer ich habe eine gute Zeit gerade. Warum ich vor Wut immer platzen möchte, selbst wenn es nur kleine Dinge sind, die mich vielleicht nicht einmal etwas angehen. Warum ich keine Briefe mehr zurück schreibe und PNs ignoriere.
Ich habe keine Kraft. Ja, Social Media Pause. Das bringt nur nicht viel und es fühlt sich auch an wie ein weiterer Rückschritt. Wieder etwas, auf das ich verzichten muss, obwohl ich nicht will. Mit allem bin ich ohnehin schon kraftlos. Ich kann mich nicht noch weiter einschränken.

Ihr sollt/müsst euch nicht für mich verändern. Das war nie das, was ich damit sagen wollte. Ich will keine Sonderbehandlung und auch kein Mitleid. Das alles wollte ich nie. Aber ich will nicht verbergen, wer und was ich bin. Außerdem möchte ich jenen, die warten, eine Antwort geben, warum ich nicht mehr antworte. Ich brauche Zeit. Und Kraft. Mir ist vieles gerade zu anstrengend. Nicht wegen euch, sondern wegen mir.

Meine liebe Twitter-Bubble: Ich hab euch dennoch sehr lieb!

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